Eingabehilfen öffnen

Selbstbestimmt Leben – eine Illusion? 2022

Eltern und Fachkräfte fragen sich, ob ein selbstbestimmtes Leben eine Illusion sei

Am Samstag, 17.09.2022 trafen sich rund 90 Eltern, Fachpersonen und Instutionsvertretende zum dritten Elternforum Zentralschweiz. Das Thema der diesjährigen Ausgabe war «Selbstbestimmt Leben – eine Illusion?». Nach einem Impulsreferat von Martin Boltshauser, Leiter Rechtsdienst Procap Schweiz, leitete Regula Späni die Podiumsdiskussion mit spannenden Gästen bestehend aus Eltern, Geschwister von Menschen mit Behinderung und Selbstvertreter*innen.

«Jeder Mensch soll die Wahlfreiheit haben, wie und wo er wohnen will. Er soll ein Recht auf Arbeit haben, soll politisch partizipieren können». Dies sieht Selbstbestimmung vor, wie sie die UNO-BRK fordert. Doch, wie sieht dies in der Umsetzung aus. Auf politischer Ebene ist einiges im Tun, aber die Umsetzung des UNO-BRK ist in der Schweiz noch weit weg. Martin Boltshauser zeigt als Rechtsanwalt und Mitglied der Geschäftsleitung von Procap Schweiz auch seine Zerrissenheit auf. Denn die Bestimmungen des UNO-BRK sind rechtlich nicht direkt einforderbar. Es sei nur eine Empfehlung an den Staat. Er empfiehlt kleine, umsetzbare Schritte anzustreben, statt grosse, kaum erreichbare. Mit unrealistischen Zielen und Forderungen verlieren wir in der Politik.
Auf dem Podium diskutierten:
• Marco Christen, Vater eines 11jährigen Sohnes mit Mehrfachbehinderung
• Monika Bachmann, Mutter eines 18 jährigen Sohnes mit einem ausgeprägten ADHS
• Anja Niederberger, Schwester von einer jungen Frau mit Mehrfachbehinderung
• Silvan Stricker, Projektleiter Soziale Einrichtungen Kanton Zug

«Ich wünschte, meine Mutter könnte das Leben führen, das eine Frau führen würde, mit sogenannt normalen erwachsenen Kindern. Auswärts arbeiten gehen und auch einmal über das Wochenende verreisen».
Anja Niederberger, Schwester

«Niemand sagt einem, was man mit einem Kind mit Mehrfachbehinderung zugute hätte».
Marco Christen, Vater

«Es geht künftig um die Menschen. Nicht mehr um die Einrichtungen. So erreicht man, dass Behindertenpolitik gesamtgesellschaftlich angeschaut wird».
Silvan Stricker, Projektleiter Soziale Einrichtungen

Unterschiedlich sind die Ausprägungen der Behinderungen, die auf dem Podium zusammentreffen. Selbstbestimmung im Kleinen ist jedoch möglich. Jedoch braucht dies Zeit und Ressourcen. So zum Beispiel nennen alle betroffenen Personen die Suche nach geeigneten Assistenzpersonen als deutlich erschwert. Auch der administrative Aufwand bei einem Team von Assistenzpersonen ist enorm hoch.
Es geht um Sichtbarkeit, Wissen und Bewusstsein von Menschen mit einer Behinderung mitten in unserer Gesellschaft. Die Politik soll auch Menschen unterstützen, die bereit sind Menschen mit Behinderung in ihrem Betrieb zu integrieren und zu fördern.

Beim anschliessenden Apéro riche nutzten die Eltern, Fachpersonen und Vertreter:innen der Politik die Gelegenheit sich auszutauschen.Nicht allein zu sein mit seinen Themen, Sorgen und Ängste, dies tue gut. So die Rückmeldung vieler anwesender Gäste.

Aufnahme 3. Elternform 2022 mit Gebärdendolmetscherin: https://www.youtube.com/watch?v=VW2ySLzCax0